Hämaturie

Hämaturie Kindernephrologie

(blutiger Urin)

Die Ursachen für eine Hämaturie können unterschiedlichster Natur sein. So gibt es die für das menschliche Auge nicht sichtbare Mikrohämaturie (> 5 Erythrozyten/µl), welche in Spontanuntersuchungen in 4 % auftritt und oft asymptomatisch ist. Lediglich 0,5 % haben 3 mal hintereinander positive Urinproben. Weniger als 0,2 % ist auch nach einem Jahr noch positiv. Die häufigste Ursache bei Kindern sind Harnwegsinfektionen (inkl. tubulointerstitieller Nephritis), welche einer zügigen Behandlung bedürfen. Unbedenklich ist familiäre benigne Hämaturie (Syndrom der dünnen Basalmembran). Auch körperliche Anstrengung kann Ursache sein. Seltener sind Urolithiasis und zystische Nierenerkrankungen sowie Gerinnungsstörungen oder Malignome. Das sogenannte Nußknackersyndrom ist eine absolute Ausschlußdiagnose. Auch körperliche Anstrengung kann Mikrohämaturie auslösen (Marsch-Hämaturie).

Jegliche Form von Nephritis sollte umfassend abgeklärt werden. Zu diesen gehören die postinfektiöseGlomerulonephritis (z.B. PSGN), Purpura Schönlein-Henoch-Nephritis, IgA-Nephropathie, membranoproliferative Glomerulonephritis, der Systemische Lupus erythematodes (SLE), die WegenerGranulomatose, Polyangiitis, das Hämolytisch-urämisches Syndrom (häufigste Ursache des akuten Nierenversagens im Kleinkindalter), die rapid-progressive Glomerulonephritis und das Alport-Syndrom, das Goodpasture-Syndrom.

Nach ihrer Herkunft unterscheiden wir glomeruläre (dysmorphe Erythrozyten) von nicht-glomerulärer Hämaturie (eumorph; Erythrozytenzylinder).

Falsch positive Ergebnisse können resultieren bei Hämoglobinurie (intravasale Hämolyse), Myoglobinurie (Rhabdomyolyse = Muskelzerfall)) und infolge oxidierender Substanzen im Urin sowie bei Nitrit in höherenKonzentrationen.

Eine Makrohämaturie ist immer abklärungsbedürftig. Bereits ab 1 ml Blut pro Liter Urin kann die Hämaturie sichtbar werden. Sie hat eine Prävalenz von 0,13 %.

Ursachen der Makrohämaturie sind nicht selten urologischer Natur, können Traumafolge sein oder durch Fremdkörper bedingt. Es kann sich aber auch eine Ig-A-Nephropathie oder eine postinfektiöse Glomerulonephritis dahinter verbergen. Die weltweit häufigste Ursache einer Makrohämaturie ist die Bilharziose (Schistosomiasis) vor allem in den Tropen und Subtropen.

Eine Rotfärbung des Urins kann resultieren infolge Medikamenteneinnahme (Rifampicin, Phenytoin)  aber auch durch Nahrungsmittel, z.B. rote Bete, Rhabarber, Brombeeren und Heidelbeeren. Ziegelmehl werden amorphe Urate bezeichnet, welche beim Neugeborenen passager in der Windel zu finden sind und keinen Krankheitswert besitzen.

Eine Nierenbiopsie sollte durchgeführt werden bei Assoziation der Hämaturie mit signifikanter Proteinurie, Hypertonie, Ödemen, persistierendem Komplementschwund, ANCA-positiver Vasculitis, Nierenfunktionseinschränkung, Familienanamnese mit Hinweis auf Alport-Syndrom, rezidivierenderMakrohämaturie, in Einzelfällen bei asymptomatischer persistierender glomerulärer Mikrohämaturie > 12 Monate (wenn Eltern und/oder Arzt beunruhigt sind im Hinblick auf Diagnose und Prognose). In vielen Fällen ist aber auch eine humangenetische Untersuchung bereits zielführend.

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